Gracie / Brazilian Jiu-Jitsu – Geschichte


Brazilian Jiu-Jitsu und Jūdō
Das Brazilian Jiu-Jitsu (kurz BJJ oder auch Gracie Jiu-Jitsu; portugiesisch jiu-jitsu brasileiro), ist eine eigenständige (Weiter-) Entwicklung der japanischen Kampfkunst „Kōdōkan Jūdō“.

Das Kōdōkan wurde 1882 von Kanō Jigorō (嘉納 治五郎, 28 Oktober 1860 – 4 Mai 1938) als eine eigenständige Schule für Jū Jutsu etabliert. Die dort praktizierte Kampfkunst nannte er Jūdō.
Mit zunehmender Verbreitung des Jūdō an Schulen und Universitäten Japans und einer immer stärker an Geistes- und Leibeserziehung ausgelegten Trainingsphilosophie (anstelle von regellosem Zweikampf und Selbstverteidigung), entwickelte sich die einst extrem effektive Kampfkunst zu der heute bekannten olympischen Wettkampfsportart.

Das Gracie / Brazilian Jiu-Jitsu entstand vorwiegend aus den Lehren des japanischen Meisters Meada Mitsuyo (前田 光世, Count Combat / Conde Koma, 18. November 1878 – 28. November 1941) nachdem dieser sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Brasilien niederlies und dort die von ihm praktizierte Kampfkunst unterrichtete.
Maeda Mitsuyo wurde von Tomita Tsunejirō (富田 常次郎, 28. Februar 1865 – 13. Januar 1937) in der Kunst des Kōdōkan Jūdō (von Stilbegründer Kanō Jigorō) unterrichtet. Da Maeda Japan bereits 1904 verließ ist anzunehmen, dass es sich bei der von ihm in Brasilien verbreiteten Art zu Kämpfen um eine frühe Form des Kōdōkan Jūdō handelte.

Da zu dieser Zeit auch in Japan der Begriff „Jūdō“ noch nicht so geläufig war, wurde der Stil vielfach noch als „Jū Jutsu“ (=Jiu-Jitsu) bezeichnet. Erst später etablierte sich der Begriff des Jūdō.
In Brasilien entwickelten sich zwei Lager – die eine Gruppe folgte der internationalen Versportlichung der Kampfkunst und verwendete die Bezeichnung Judo während in der zweiten Gruppe sowohl der Begriff des „Jiu-Jitsu“ für die „Urform“ des Jūdō, als auch viele der ursprünglichen, auf den regellosen Zweikampf und Selbstverteidigung ausgelegten, Techniken und Trainingsweisen Jigoro Kanos, beibehalten wurden, welche im modernen Jūdō im Rahmen der  Reglementierungen innerhalb der Wettkämpfe verloren gingen.

Heute findet man deutliche Gemeinsamkeiten zwischen dem modernen, sportlichen Brazilian Jiu-Jitsu und dem „Kōsen Jūdō“, einer Jūdō Wettkampf-Variante, die an der Universität von Kyoto seit 1914 in sportlichen Wettkämpfen Anwendung fand und die den Schwerpunkt auf Bodenkampf (Festlege-, Hebel- und Würgetechniken) legt.


Brazilian Jiu-Jitsu und die Familie Gracie
Der erste Kontakt zwischen dem japanischen Jiu-Jitsu und der Familie Gracie kam über eine Bekanntschaft zwischen Gastão Gracie – dem Vater der bekannten Brüder Carlos, Osvaldo, Gastão Jr., George und Hélio Gracie – und Maeda Mitsuyo zustande.
Der größte Einfluss in der Entwicklung des Gracie / Brazilian Jiu-Jitsu wird den Brüdern Carlos und Hélio Gracie, dem ältesten und dem jüngsten Sohn, zugeschrieben.
Carlos, da er der Erste der Gracies war, der im Jiu-Jitsu unterrichtet wurde und dieses Wissen an seine Brüder weiter gab.
Hélio, da er auf Grund seiner kleinen Statur und fehlender Kraft die für das GJJ so elementare Strategie des „Überlebens durch Verteidigung“ entwickelte.

Doch auch Gastãos übrige Söhne waren an der Entwicklung, Verbreitung, der Lehre und dem Aufbau der Familientradition als Kämpfer beteiligt. So werden alle fünf Brüder heute als „Gründungsväter“ und Träger des 10. Grades (Rotgurt) angesehen. Sie sind die „erste Generation“ der Kämpferfamilie.

Sie unterrichteten ihre Kinder in ihrer neuen Version des Kämpfens und erschufen so das „Gracie Jiu-Jitsu“. Durch die Verbreitung auch außerhalb der Gracie Familie in der nächsten Generation von Kämpfern und Lehrern, entstand mit der Zeit der heute viel verwendete Begriff des Brazilian Jiu-Jitsu.

Über Jahrzehnte hinweg waren es jedoch vorwiegend die Mitglieder der Gracie Familie, die diese Form des Kämpfens weiter verbreiteten und die Effizienz des Stiles in vielen Vale Tudo (Freikampf) Herausforderungskämpfen immer wieder bewiesen.


Brazilian Jiu-Jitsu und die MMA (Mixed Martial Arts)
In den siebziger Jahren kam Hélios ältester Sohn, Rorion Gracie, in die USA, um dort Karriere zu machen.
Er unterrichtete den Familienstil zunächst in seiner Garage. Erst langsam interessierten sich auch in den USA immer mehr Menschen für diese Art zu kämpfen.

Anfang der Neunziger-Jahre eröffnete Rorion, mit der Unterstützung durch seinen Schüler Richard Bresler, eine große Akademie in Los Angeles und erschuf, zusammen mit dem Werbefachmann Art Davie, die legendären „Ultimate Fighting Championships“ (kurz „UFC“).
Bei diesen Wettkämpfen, die im amerikanischen „Pay-per-View- Fernsehen“ übertragen wurden, kämpften Kampfkünstler der verschiedensten Stile ohne viele Regeln und ohne Zeitlimmits gegeneinander. Ziel war es, den Gegner K.O. zu schlagen oder ihn zur Aufgabe zu zwingen.

Royce Gracie, 6. und zweitjüngster Sohn von Hélio Gracies, war der leichteste Teilnehmer dieser Veranstaltung und gewann trotzdem überlegen drei der ersten vier UFC-Turniere. Dabei beendete er alle gewonnenen Kämpfe durch Aufgabe des Gegners. Bis heute ist er der einzige Kämpfer, der jemals vier Kämpfe in einer Veranstaltung gewinnen konnte.

Die UFC waren der Grundstein für die internationale Anerkennung der Effektivität des Gracie / Brazilan Jiu-Jitsu und der Beginn einer Revolution in der Kampfkunstwelt. Ferner waren sie der Beginn der heute immer populärer werdenden Mixed Martial Arts Kämpfe/Veranstaltungen, welche mit geringen Unterschieden innerhalb der Regelwerke inzwischen auf der ganzen Welt Anerkennung finden.



Wir sind Mitglied im Schleswig-Holsteinischen Ju-Jutsu Verband e.V. / Deutschen Ju-Jutsu-Verband e.V.